Shine with shiatsu journal

Von Shiatsu bis Hospiz: 5 Fragen, die mir oft gestellt werden

Seit vielen Jahren habe ich das große Privileg Menschen mit Shiatsu zu begleiten. Dabei stelle ich oft Fragen. Und manchmal bekomme auch ich welche. Gerne teile ich die 5 Fragen, die ich in der Praxis am häufigsten höre. 

1. Wie bist du zum Shiatsu gekommen?

Shiatsu war Liebe auf die erste Berührung. Wenn ich an unsere erste Begegnung zurückdenke, schlägt mein Herz immer noch höher. Damals arbeitete ich im Projektmanagement. Doch innerlich verspürte ich eine tiefe Sehnsucht mit meinen Händen zu arbeiten. Ich wusste zunächst nicht, wie das konkret aussehen sollte. Also beschloss ich offen zu bleiben. Einfach zu schauen, was auf mich zukommt. 

Dann wurde ich von verschiedenen Menschen auf Shiatsu aufmerksam gemacht. Ich bin dem gefolgt und zu einer Behandlung gegangen. Als ich auf der Matte lag, spürte ich mich auf eine ganz neue Art und Weise. Ganz tief, aber auch verbunden mit meinem Herzen und meinem ganzen Körper  

In diesem Moment wusste ich es – das will ich unbedingt lernen! Ziemlich schnell kündigte ich meinen „sicheren Job“ und begann die Ausbildung. Ich übte zunächst an Freuden, Nachbarn, bald auch an Freunden von Freuden. Kurz darauf mietete ich einen Raum, in dem ich einmal pro Woche praktizierte. Seitdem ist mein Shiatsu von Jahr zu Jahr gewachsen. 

Shiatsu zu entdecken war wie nach Hause zu kommen. In die Präsenz, Verbundenheit über mein Herz und meine Hände. 

2. Was hast du da eigentlich im Hospiz gemacht?

Der Impuls im Hospiz tätig zu werden kam nach dem Tod meines Großvaters. Er ist im Alter von 96 Jahren friedlich gestorben. Mein Großvater lebte sein ganzes Leben lang in einem kleinen Dorf im Osten Polens. Als er starb, wurde er als Teil der Gemeinschaft verabschiedet. Das hat mich sehr berührt. So sehr, dass mich dieses Thema nicht mehr losgelassen hat. 

Zu diesem Zeitpunkt war ich im 8. Monat schwanger. Mit einem großen Babybauch begann ich die Ausbildung zur Sterbebegleiterin. Für mich war das nie ein Widerspruch. Es war wunderschön zu sehen, wie Geburt und Sterben zusammengehören. Ein Kommen und ein Gehen. Mein Sohn hat mich im ersten Jahr immer begleitet. Im Kurs und bei den Sterbenden. Oft war er wie ein Türöffner für Gespräche. Viele hochbetagte Menschen haben auf seine blauen Babyaugen und seine kleinen Hände reagiertet und ihn angelächelt. 

Fünf Jahre lang habe ich sterbende Menschen begleitet. Manche sah ich nur ein Mal. Andere mehrere Wochen, wieder andere sogar über Jahre. Es gab auch Menschen, die sich keinen Besuch wünschten. Andere wiederum haben sich sehr gefreut, dass jemand kam, der einfach mal Zeit für sie hatte. Oft ging es einfach ums Zuhören, miteinander Reden, Händehalten und Da Sein. 

3. Was bewirkt Shiatsu deiner Meinung nach?

Meine Beobachtung ist, dass Shiatsu uns mehr ins Fühlen bringt. Und damit in einen tieferen Kontakt mit uns selbst. Manchmal ist es genau das, wovor wir Angst haben – all das zu fühlen, was in uns drin ist. Für mich ist das allerdings der Schlüssel. Nicht die Wunde zu verdrängen, sondern liebevoll und mit Geduld den Blick auf sie zu richten. Aber vor allem beruhigt Shiatsu unser Nervensystem, bringt etwas mehr Ruhe rein. Das ist in Krisenzeiten sehr viel wert. 

Wenn ich etwas mehr Ruhe habe, kann ich meine Bedürfnisse besser spüren. Dann gelingt es mir vielleicht auch besser, meine Gefühle zuzulassen und anzuerkennen. Nicht davor wegzulaufen, sondern da zu bleiben. Vor allem dann, wenn es schwierig ist.


Ganz bewusst biete ich Shiatsu für Menschen die trauern an oder große Veränderungen erleben. Trauer hat so viele unterschiedliche Facetten. Der große Vorteil der Arbeit im Shiatsu ist, dass wenn sich der Körper entspannt, sich dann auch die Gedanken entspannen und wir kommen im Jetzt an. Shiatsu nimmt den Schmerz nicht weg. Und die Trauer auch nicht. Aber es ermöglicht mit sich selbst im Kontakt zu sein. Sanft und voller Mitgefühl.

4. Wie kannst du den ganzen Tag mit Menschen arbeiten, die trauern? Macht dich das nicht auch traurig?

Für mich gehört Trauer zum Leben. Ich finde wir reden viel zu wenig darüber. Wenn Trauer da ist, dann gibt es einen guten Grund. Sie ist die natürliche Reaktion auf Verluste und tiefgreifende Veränderungen. Wir trauern immer wieder. Nicht nur, weil liebe Menschen sterben, sondern auch, weil sich das Leben verändert. Und weil wir dadurch selbst aufgefordert sind, uns zu verändern. 

Nein, traurig macht es mich nicht. Es erinnert mich vielmehr daran, dass wir in einen sich ständig wiederholenden Zyklus eingebunden sind. Vielmehr interessiert mich die Haltung, mit der wir Veränderungen begegnen. Wie können wir den Schmerz zulassen und dennoch offen für das Leben bleiben? Wie können wir lernen, mit der Trauer zu leben, ohne uns dabei aufzugeben? Ich bin sehr dankbar dafür, dass Menschen ein Stück ihres Weges mit mir teilen möchten.

Ja, Trauer ist traurig. Und da ist noch so viel mehr! Meine Beobachtung ist, dass je mehr wir uns auf die Trauer einlassen, desto mehr Lebendigkeit sich in uns zeigt. Das klingt vielleicht erstmal irrational, aber so nehme ich es wahr. Denn Trauer öffnet auch unsere Herzen. Wer seine Trauer tief spüren kann, der kann auch Freude und Liebe tief spüren. 

5. Was machst du um Energie zu tanken?

Nichts entspannt mich mehr als Wasser. Ich liebe es, dem Rauschen der Meereswellen zu lauschen. Ich liebe es, wie sich mein Körper im Wasser bewegt und den Rhythmus, den das Schwimmen mit sich bringt. Und wenn das Schwimmbad mal geschlossen ist, liege ich abends in einem warmen Schaumbad und summe vor mich hin.

Ich liebe es in der Gemeinschaft zu singen. Da entsteht so viel Verbundenheit und Freude! Energie tanke ich auch regelmäßig in der Natur. Einfach auf der Wiese liegen, den Vögel zuhören, Bäume umarmen. Bäume haben einen besonderen Platz in meinem Herzen. Sie strahlen eine so wunderbare, erdende Energie aus.

Und was natürlich nicht fehlen darf ist Shiatsu! Schon allein beim Gedanken wieder Shiatsu zu bekommen, freut sich jede Zelle meines Körpers. Es ist immer wieder ein zurückkommen zu mir selbst und dennoch im Kontakt mit allem, was mich umgibt. Mich dran erinnern, wie reich das Leben ist und wie glücklich ich mich schätzen darf. 

Alles Liebe, 

Aleksandra 

Aleksandra Hoffmann Shiatsu Berlin

über die autorin

Aleksandra Hoffmann

Aleksandra Hoffmann begleitet Menschen achtsam dabei, sich selbst und ihren Körper wieder zu spüren und so mehr inneren Frieden zu finden. Ihr besonderer Fokus liegt auf den Themen Verlust und Trauer. Als zertifizierte Shiatsu-Praktikerin und Lehrerin ist sie in Berlin tätig und gibt Workshops europaweit.